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In Osnabrück entsteht das neue "Landwehrviertel"

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Im Westen Osnabrücks, zwischen Wersener Landstraße und Bahnlinie in Richtung Rheine, befindet sich eine 37 Hektar große Fläche, die bis zum Jahr 2007 von den britischen Streitkräften als Kasernengelände genutzt wurde. Nach der Kaserne am Limberg in der Dodesheide sind die ehemaligen „Quebec Barracks“ die zweitgrößte Konversionsfläche in der Stadt. 

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Ihre Geschichte als Kasernenstandort geht zurück bis in die 1930er Jahre, als die Wehrmacht das „Lager Eversburg“ als Ausbildungslager nutzte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier vor allem serbische Kriegsgefange gefangen gehalten. Am 6. Dezember 1944 wurde die Kaserne bei einem schweren Bombenangriff fast vollständig zerstört. Nach dem Kriegsende nutzte die Royal Army die Fläche als „Quebec Barracks“ bis zum Jahr 2008. Fünf Jahre später – die britischen Streitkräfte hatten Osnabrück mittlerweile vollständig verlassen – kauften die Stadtwerke mit ihrer Tochtergesellschaft ESOS Energieservice GmbH und die Stadt zu gleichen Teilen das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

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Stadt und ESOS haben Großes vor mit den ehemaligen Kasernenflächen: „Wir reden über die Entwicklung des größten zusammenhängenden Neubaugebiets in Osnabrück nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt ESOS-Geschäftsführer Ingo Hannemann. Entstehen wird in den nächsten Jahren mit dem „Landwehrviertel“ ein völlig neues Stadtquartier, das die Einwohnerzahl des Stadtteils Atter auf einen Schlag um knapp die Hälfte erhöhen könnte. Mehr als 800 Wohneinheiten unterschiedlicher Natur sind im Plangebiet vorgesehen, je nach Ausgestaltung könnten bis zu 2500 Personen nördlich der Wersener Landstraße ein neues zu Hause finden.

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Von den ursprünglich 60 vorhandenen Gebäuden werden nur fünf in Zukunft Teil des neuen Landwehrviertels sein. Dazu gehört die „Baracke 35“, die momentan zur Hälfte an den Antikriegsverein verpachtet ist. Zwei weitere Gebäude im Nordosten des Geländes werden momentan und auch künftig als Flüchtlingsunterkunft genutzt. In deren Sichtweite bleibt auch die Sporthalle erhalten, die erst im Jahr 2004 von den Briten gebaut wurde und sich mittlerweile großer Beliebtheit bei Osnabrücker Sportvereinen erfreut. Noch unklar ist, was mit dem ehemaligen Casino im nordwestlichen Teil der Fläche geschieht. Weil es ebenso wie die Sporthalle erst wenige Jahre auf dem Buckel hat, ist ein Abriss aufgrund des guten baulichen Zustands nicht geplant. Freilich: Eine langfristige Nutzung ist noch nicht gefunden, wie ESOS-Prokurist Marcel Haseloff erklärt. Schon entfernt wurde der Kunstrasenplatz, für dessen Erhalt sich bis zuletzt Sportvereine vergebens stark gemacht hatten.

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Im Frühjahr 2017 starteten auf dem ehemaligen Kasernengelände die Erschließungsarbeiten. Die Stadtwerke bauen die Kanalisation und bereiten die Flächen für die Bebauung vor.

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Vermarktungskonzept
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Die Vermarktung, die von der ESOS gesteuert wird, ist bereits angelaufen. Vorgesehen ist, dass insgesamt elf Teilbereiche sukzessive zum Verkauf ausgeschrieben werden. Ein rund 18.000 Quadratmeter großes Grundstück ist bereits im Frühjahr 2017 an einen Investor gegangen, aktuell läuft das Verfahren für eine etwa 12.000 Quadratmeter große Fläche, auf der eine Wohnbebauung vorgesehen ist. Ebenfalls in der Ausschreibung sind knapp 9000 Quadratmeter am südöstlichen Rand des Gebiets, auf denen ein Supermarkt seinen Standort finden soll. Nach und nach gehen dann weitere Teilgebiete in die Vermarktung – ungefähr in einem Abstand von jeweils einem halben Jahr.

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Den Mittelpunkt des Quartiers bildet eine grüne Mitte – ein von Ost nach West langgezogener Grünstreifen, der in den Planungen als zentraler städtebaulicher Gestaltungsbaustein gilt. Rund 20.000 Quadratmeter groß ist diese grüne Insel, auf der ein Mehrgenerationenspielplatz und ein Bolzplatz angelegt werden. Am urbansten kommt das Landwehrviertel auf dem „Boulevard“ daher, wie Alexander Reuschel, bei der Stadt zuständig für die Konversion der Kasernenflächen, erläutert. Diese Nord-Süd-Verbindung verläuft quasi parallel zur jetzigen Landwehrstraße und stellt die zentrale Verkehrsachse des Viertels dar. Entlang der Quebec-Straße, so der künftige Name, entstehen bis zu dreigeschossige Wohnhäuser, in deren Erdgeschoss auch eine gewerbliche Nutzung erlaubt ist.
Je weiter von der grünen Mitte und dem Boulevard entfernt, desto flacher wird die Bebauung – „Treppenprofil“ nennt Reuschel das Konzept, in dessen Mitte die höchsten Gebäude stehen und das nach außen hin städtebaulich „ausfranst“. Ein Supermarkt am südlichen Ende und eine Kindertagesstätte in der "Grünen Mitte" sind im Entwurf fest eingeplant.

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Etwa 60 Prozent der geplanten Wohneinheiten sollen in Form von Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern entstehen, wobei Erstgenannte den weitaus geringeren Teil ausmachen. Die restlichen 40 Prozent der bis zu 800 Wohneinheiten finden sich in den mehrgeschossigen Wohngebäuden. Festgelegt ist, dass mindestens zehn Prozent der Wohnungen eines jeden Teilbereichs in die Kategorie „bezahlbarer Wohnraum“ fallen sollen. Gestalterisch soll laut Reuschel eine „einheitliche Formensprache“ im Quartier zu sehen sein. Konkret heißt das: ESOS und Stadt geben den Investoren bestimmte Gestaltungsvorschriften an die Hand, damit die einzelnen Nachbarschaften des Viertels zwar eigene Identitäten entwickeln können, aber grundsätzlich zueinander passen.

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Gr  ne mitte fin klein
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Am Westende sogar sehr grün: Inmitten des Planungsverfahrens stellte sich nämlich heraus, dass sich schon zu Kasernenzeiten am stadtabgewandten Ende ein schützenswerter Sauermagerrasen entwickelt hatte, der als Biotop gilt und daher nicht bebaut wird. Im Norden wird das Viertel durch ein Regenrückhaltebecken und eine Schallschutzwand gegen die Bahnlinie abgegrenzt. Ein Teil des Baumbestands wird im Zuge der Baumaßnahmen weichen müssen, doch Reuschel betont, dass das Viertel auch außerhalb der grünen Mitte nicht als Betonwüste daherkommen soll. „Eines der wichtigsten Ziele ist es, einen attraktiven Freiraum zu schaffen. Gelingen soll das auch über Nachbarschaftsplätze in den einzelnen Quartieren.“

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Stra%c3%9fen
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Das Viertel wird über zwei Zufahrten an das städtische Straßennetz angebunden. Im Süden soll eine neue Straße vom bestehenden Kreisel an der Wersener Landstraße in das Quartier führen. Am nordöstlichen Zipfel der Fläche gibt es eine zweite Zufahrt von der Landwehrstraße aus. Die Landwehrstraße in ihrer jetzigen Form wird an ihrem Südende gekappt und somit zur Sackgasse. Geplant ist, das Landwehrviertel auch an den Busverkehr anzuschließen. Eine Endhaltestelle wird daher in der grünen Mitte des Quartiers eingerichtet. Haseloff betont, dass auch ein „Mobilitätsplatz“ entsteht, auf dem ein Umstieg auf Carsharing oder Pedelec ermöglicht werden soll. Für Fußgänger wird es mehrere Verbindungen in die umgebenden Viertel geben. Interessant für Jogger: „In einem grünen Ring wird es möglich sein, das Gelände einmal zu umrunden. Das dürften ungefähr 2,5 Kilometer sein“, sagt Hannemann.

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Haselof und Hannemann schweigen sich zu Kauf- und Verkaufspreisen zwar aus, dennoch gebe es grundsätzlich eine Gewinnerzielungsabsicht. „Wir bewegen uns aber in einem Spannungsfeld zwischen verschiedenen Punkten, die bei der Vermarktung eine Rolle spielen“, sagt Hannemann. „Magisches Dreieck" nennt es der ESOS-Prokurist – und meint damit, dass nicht unbedingt das höchste Investorengebot ausschlaggebend ist. „Der Preis spielt eine wichtige Rolle, aber auch städtebauliche und soziale Aspekte. Wir versuchen, uns in diesem Zieldreieck möglichst mittig zu bewegen.“

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Auch weil die Erschließung und Bebauung sukzessive vorangeht, wagen Haseloff und sein Kollege Hannemann keinen genauen Zeitpunkt zu nennen, an dem die letzte Baustelle im Quartier geschlossen wird. Dennoch dürfte im Jahr 2022 die letzte Wohneinheit bezogen sein.

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Fotos: Jörn Martens, David Ebener, Michael Gründel, Klaus Lindemann, Gert Westdörp, Stadt Osnabrück
Grafiken: ESOS, Stadt Osnabrück
Text & Umsetzung: Sebastian Philipp

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